Kokosöl zum Kochen verwenden spart Kalorien

Kokosöl spart Kalorien – stimmt das wirklich?

Im Netz kursiert die Idee, dass Kokosöl beim Kochen irgendwie kalorienärmer sei als andere Fette – und dass sich damit leichter abnehmen lasse. Das klingt verlockend. Aber es stimmt nicht. Ein Esslöffel Kokosöl (ca. 14 g) liefert rund 120 kcal. Olivenöl: rund 119 kcal. Rapsöl: rund 124 kcal. Der Unterschied ist marginal – keine Grundlage für eine Kalorien-Ersparnis im Alltag.

Woher kommt der Mythos dann? Aus einer echten, aber falsch verstandenen Eigenschaft des Kokosöls: seinem hohen Anteil an mittelkettigen Fettsäuren, sogenannten MCTs.

Vergleichstabelle: 1 EL Kokosöl, 1 EL Olivenöl, 1 EL Butter – Kalorienangaben nebeneinander, optisch auf Augenhöhe

Was MCTs tatsächlich tun – und was nicht

Kokosöl besteht zu etwa 55–65 % aus mittelkettigen Fettsäuren (vor allem Laurinsäure, C12). Diese Fettsäuren werden vom Körper anders verarbeitet als langkettige Fettsäuren, die z. B. in Olivenöl dominieren. MCTs gelangen schneller in die Leber und werden dort bevorzugt zur Energiegewinnung genutzt – sie werden weniger leicht ins Fettgewebe eingelagert als langkettige Fette. Das ist physiologisch korrekt.

Aber: Dieser Effekt führt nicht automatisch dazu, dass du weniger Kalorien aufnimmst oder mehr Gewicht verlierst. Klinische Studien, die gezielt MCT-Öl (mit höherem MCT-Anteil als Kokosöl) untersuchten, zeigten allenfalls kleine Unterschiede im Körpergewicht – und nur dann, wenn MCTs andere kalorienreiche Fette ersetzten, nicht zusätzlich zu ihnen gegessen wurden. Eine Metaanalyse von Mumme & Stonehouse (2015, American Journal of Clinical Nutrition, 13 kontrollierte Studien) ergab einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von ca. 0,5 kg über mehrere Wochen bei MCT-Substitution – kein dramatischer Effekt und kein Effekt durch Kokosöl speziell.

Kokosöl ist dabei nicht dasselbe wie MCT-Öl aus dem Reformhaus. Das im Handel erhältliche MCT-Öl ist auf bestimmte Fettsäuren (C8, C10) konzentriert. Laurinsäure (C12), die den Großteil des Kokosöls ausmacht, verhält sich biochemisch eher wie eine langkettige Fettsäure und wird nicht im gleichen Ausmaß direkt zur Energie verbrannt.

Warum du trotzdem nicht weniger isst, wenn du Kokosöl nimmst

Das eigentliche Problem ist kein biochemisches, sondern ein alltägliches: Wer Kokosöl als „kalorienärmer“ wahrnimmt, verwendet es oft großzügiger. Statt einem Teelöffel kommen zwei in die Pfanne – und schon liegen 80 kcal mehr im Essen, die niemand gezählt hat. Dieser Wahrnehmungseffekt – Experten nennen ihn „Health Halo“ – ist in der Ernährungspsychologie gut dokumentiert: Als „natürlich“ oder „besonders“ eingestufte Lebensmittel werden in größeren Mengen gegessen (Schuldt & Schwarz, 2010, Journal of Consumer Research).

Konkret bedeutet das: Wer täglich zwei Esslöffel Kokosöl statt einem Teelöffel Rapsöl verwendet, nimmt pro Mahlzeit etwa 200 kcal mehr auf – über eine Woche sind das rund 1.400 kcal extra. Das ist kein theoretisches Problem.

Ist Kokosöl zum Braten bei hohen Temperaturen besser geeignet?

Kokosöl hat einen Rauchpunkt von ca. 175–200 °C (raffiniert bis ca. 230 °C) und ist durch seinen hohen Anteil gesättigter Fettsäuren hitzebeständiger als native Olivenöle. Für scharfes Anbraten ist es damit geeignet. Das hat aber nichts mit dem Kaloriengehalt zu tun – es ist ein praktischer Vorteil beim Kochen, kein ernährungsphysiologischer.

Was mit dem Gewicht tatsächlich zusammenhängt

Die Wahl des Speisefetts hat nur dann einen nennenswerten Einfluss auf dein Gewicht, wenn sie die Gesamtkalorienmenge über den Tag verändert. Ein Teelöffel Rapsöl (ca. 5 ml, ca. 44 kcal) statt einem Esslöffel Kokosöl (ca. 14 ml, ca. 120 kcal) spart tatsächlich ca. 76 kcal – nicht wegen der Fettart, sondern wegen der Menge. Dieselbe Ersparnis entstünde mit jedem anderen Öl.

Wenn du Fett beim Kochen reduzieren willst, sind das die Hebel, die wirklich funktionieren:

  • Beschichtete Pfannen oder Antihaft-Keramik verwenden – damit reicht oft ein halber Teelöffel Öl (ca. 2 ml, ca. 18 kcal) statt eines Esslöffels.
  • Öl abmessen statt einschütten – ein Esslöffel ist die übliche Portion, aber zwei rutschen schnell rein, wenn man direkt aus der Flasche gießt.
  • Dämpfen, Dünsten oder Backen statt Braten – bei diesen Garmethoden braucht es oft gar kein Fett, oder sehr wenig.

Zwei Pfannen nebeneinander – eine normale Pfanne mit einem sichtbaren Ölfilm, eine Antihaft-Pfanne fast trocken, daneben je die Kalorienangabe des verwendeten Öls

Was du über die Fettsäuren im Kokosöl wissen solltest

Kokosöl besteht zu etwa 82–90 % aus gesättigten Fettsäuren – das ist unter allen pflanzlichen Ölen ein Spitzenwert (zum Vergleich: Rapsöl ca. 7 %, Olivenöl ca. 14 %). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sowie die European Food Safety Authority (EFSA) empfehlen, gesättigte Fettsäuren auf unter 10 % der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen, da ein hoher Konsum mit erhöhten LDL-Cholesterinwerten assoziiert ist – einem Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Ob Kokosöl dabei schlechter abschneidet als Butter, ist wissenschaftlich tatsächlich nicht eindeutig. Laurinsäure (C12) erhöht zwar LDL-Cholesterin, aber auch HDL-Cholesterin gleichzeitig. Die klinische Bedeutung dieses Verhältnisses ist noch Gegenstand der Forschung (Neelakantan et al., 2020, Circulation). Was das für dein individuelles Risiko bedeutet – besonders wenn du erhöhte Blutfettwerte oder kardiovaskuläre Vorerkrankungen hast – solltest du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen.

Grafik: Anteil gesättigter Fettsäuren im Vergleich – Kokosöl, Butter, Olivenöl, Rapsöl – als Balkendiagramm

Was bleibt

Kokosöl spart keine Kalorien. Es enthält pro Gramm genauso viel Energie wie jedes andere Fett – rund 9 kcal. Der MCT-Effekt ist real, aber klein und gilt vor allem für konzentriertes MCT-Öl, nicht für Kokosöl als Kochfett. Was beim Kochen Kalorien spart, ist weniger Öl – egal welches.

Wenn du Kokosöl magst – wegen des Geschmacks, der Hitzebeständigkeit oder weil es dir liegt – spricht wenig dagegen, es gelegentlich zu verwenden. Aber als Abnehm-Strategie taugt es nicht. Das entscheidende Kriterium beim Kochen mit Fett ist die Menge, nicht die Marke.

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